Ein Kooperationsprojekt im Rahmen der fallunspezifischen Arbeit in Schöneberg-Süd zwischen dem Jugendamt Tempelhof-Schöneberg und FAB – Familienarbeit und Beratung e.V.

Einleitung
Von Januar bis Mai 2011 führte FAB e.V. eine aktivierende Befragung von Eltern im sogenannten Feurigkiez durch. Unter Feurigkiez wird hier das Gebiet zwischen Hauptstraße, Dominicusstraße, Kolonnenstraße und S-Bahngraben verstanden. In dem Kiez leben relativ zu anderen Gebieten in Schöneberg-Süd vergleichsweise viele einkommensschwache Familien und Familien mit Migrationshintergrund.
Ziele
Ziel der Befragung, die im Rahmen der fallunspezifischen Arbeit des Regionalen Sozialen Dienstes stattfand, war die Verbesserung der Lebenslagen von Familien im Kiez. Im Zuge der aktivierenden Befragung wurden Eltern nach ihrem Wohlbefinden und Veränderungs-wünschen im Kiez befragt. Zugleich sollten die Eltern motiviert werden, sich selbst für eine Verbesserung der Lebensumstände für Familien im Kiez zu engagieren. Auf Grund der geringen Anzahl von Interviews sind die erhobenen Daten nicht repräsentativ, sondern dienen in erster Linie als Diskussionsgrundlage für die Anwohner. Die Befragung ist als erster Schritt in einem längeren Prozess der Aktivierung zu betrachten, der auch nach Abschluss der Befragung von FAB e.V. begleitet werden soll.
Die Befragung richtete sich an alle Familien im Feurigkiez sowie im angrenzenden Schöneberger Dreieck. Ein besonderes Anliegen der Befragung war es dabei, auch jene Eltern mit einzubeziehen, die auf Grund unterschiedlicher Faktoren wie etwa mangelnden Deutsch- bzw. Schriftsprachkenntnisse und/oder Aufenthaltsstatus von der gesellschaftlichen Teilhabe vielfach ausgeschlossen sind. Darüber hinaus wurden auch Kinder und Jugendliche, Akteure und Anwohner befragt.
Verlauf
Die Befragung wurde zwischen Januar und Mai 2011 von einem mehrsprachigen Team aus Fachkräften von FAB e.V. und zwei jungen AnwohnerInnen aus dem Kiez durchgeführt. Insgesamt wurden 70 Personen in Einzel- und Gruppeninterviews nach einem offenen Leitfaden befragt. Die Daten wurden dabei anonym gehalten, zu statistischen Zwecken wurden jedoch Daten zu Wohndauer im Kiez, im Alltag gesprochenen Sprachen, zu Familienstatus und Anzahl der Kinder erhoben. Die Befragung wurde über Kitas, Grundschule sowie Aushängen im Kiez bekannt gegeben. Erste Interviewpartner wurden über bereits vorhandene Kontakte der Fachkräfte von FAB e.V. und über die Deutschkurse gewonnen, wodurch sich ein relativ hoher Anteil an befragten Eltern mit Migrationshintergrund ergab. Weitere Eltern wurden auf dem Spielplatz und im Kiez befragt.



Ergebnisse
Insgesamt scheint sich die Mehrzahl der Befragten im Kiez sehr wohl zu fühlen. Auf die Eingangsfrage nach dem persönlichen Wohlgefühl anhand einer Skala von 0-10 ergab sich ein Durchschnittswert von 7,8. Besonders wohl fühlen sich demnach Mütter mit nur geringen Deutschkenntnissen, wovon viele zugleich mehr als 3 Kinder haben.

Zu den Faktoren, die zu diesem Wohlbefinden beitragen, nannten die Familien an erster Stelle die günstige Infrastruktur und besonders die Einkaufsmöglichkeiten sowie zentrale Lage und Verkehrsanbindung. Auch Kitas und Schule fanden Erwähnung. Besonders häufig wurde auch die Nachbarschaft genannt, was von einer hohen Verbundenheit vieler Bewohner mit ihrem Kiez zeugt.
Hinsichtlich der negativen Aspekte beschwerten sich die Anwohner vor allem über zu viel Dreck und insbesondere den Hundedreck auf den Straßen. Steigende Mieten und Probleme mit der Hausverwaltung zählten ebenfalls zu den meistgenannten Problemen aus Sicht der Befragten.
Auf die Frage „Was fehlt“ kamen vielfältige Antworten, darunter sehr konkrete Vorschläge wie der Wunsch nach einer Fußgängerampel und eher allgemein gehaltene Wünsche nach mehr Grün. Am häufigsten wurden Wünsche nach mehr Angeboten für Kinder und Jugendliche genannt. Die konkreten Veränderungsvorschläge wurden in fünf Themenfelder sortiert: „Angebote für Kinder und Jugendliche“, “ Angebote für Frauen“, „Spielplatz“, „Straße“ und „Häuser“.
Rückmeldung der Ergebnisse
Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines Sommerfamilienfests von FAB e.V. in der Herbertstraße vorgestellt und mit den anwesenden Eltern diskutiert. Als erstes Ergebnis ist ein Brief an die Spielplatzkommission zu nennen, in dem die Eltern ihre diesbezüglichen Veränderungswünsche nennen. Nach den Sommerferien sind weitere Treffen geplant, bei denen die anderen Themenfelder und mögliche konkrete Initiativen besprochen werden sollen.
Ausblick
Die Befragung wie auch das Sommerfest stießen bei den teilnehmenden Familien auf hohe Resonanz. Wenngleich insgesamt eine hohe Zufriedenheit zu bestehen scheint, welche einem aktiven Engagement für Veränderungen eher entgegen sprechen würde, so scheint die hohe Verbundenheit mit dem Kiez das Engagement der Eltern zu befördern. Die durch die Befragung angestoßene Aktivierung soll in den kommenden Monaten durch weitere von FAB e.V. organisierte Treffen interessierter Familien unterstützt werden. Desweiteren wurde auch ein Projektantrag für ein von vielen Frauen gewünschtes Frauencafe gestellt. Auch dieses soll als Forum für die Weiterentwicklung von Ideen genutzt werden.
Übersicht zu den Ergebnissen als PDF
Vielen Dank für Ihr Interesse!
Das BE FEURIG-Team
Kontakt: Gisela Romain
Tel.: 0177 794 56 07





